Deutsche scheuen den Jobwechsel – warum Sicherheit wichtiger wird und was das für den Fachkräftemangel bedeutet
05 Feb, 20267 MinutesDer deutsche Arbeitsmarkt galt lange als vergleichsweise dynamisch. Gerade in Zeiten des Fac...
Der deutsche Arbeitsmarkt galt lange als vergleichsweise dynamisch. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels wurde davon ausgegangen, dass gut qualifizierte Beschäftigte – insbesondere in der IT – ihre Chancen aktiv nutzen und häufiger den Arbeitgeber wechseln. Aktuelle Entwicklungen zeigen jedoch ein anderes Bild: Immer weniger Deutsche können sich einen Jobwechsel vorstellen. Selbst jüngere Generationen, die lange als besonders wechselbereit galten, zeigen sich zunehmend zurückhaltend.
Für Unternehmen, insbesondere im IT-Umfeld, hat diese Entwicklung weitreichende Folgen. Sie verschärft nicht nur den bestehenden Fachkräftemangel, sondern verändert auch grundlegend die Art und Weise, wie Talente gewonnen, angesprochen und langfristig gebunden werden müssen.
Sicherheit schlägt Karriereoptimierung
Die Gründe für die sinkende Wechselbereitschaft sind vielschichtig. Wirtschaftliche Unsicherheiten, geopolitische Krisen, Inflation sowie die Sorge vor Arbeitsplatzverlust prägen das Sicherheitsbedürfnis vieler Beschäftigter. Ein fester Arbeitsvertrag, ein verlässliches Einkommen und planbare Rahmenbedingungen gewinnen wieder deutlich an Bedeutung.
Während in den vergangenen Jahren Aspekte wie Sinnhaftigkeit der Arbeit, persönliche Weiterentwicklung oder schnelle Gehaltssprünge häufig im Vordergrund standen, rückt nun ein anderer Gedanke in den Fokus: „Lieber bleiben als riskieren.“ Selbst Beschäftigte, die mit ihrer aktuellen Situation unzufrieden sind, zögern, den Schritt in einen neuen Job zu wagen.
Generation Z: Vorsicht statt Wechselwillen
Besonders bemerkenswert ist, dass diese Zurückhaltung längst nicht nur ältere Arbeitnehmer betrifft. Auch die Generation Z, die oft als selbstbewusst, fordernd und wenig loyal gegenüber Arbeitgebern beschrieben wird, zeigt sich deutlich vorsichtiger als erwartet. Der Berufseinstieg fand für viele unter schwierigen Bedingungen statt – Pandemie, wirtschaftliche Unsicherheit und unbeständige Märkte haben Spuren hinterlassen.
Das Ergebnis: Stabilität wird als Voraussetzung gesehen, nicht als Gegensatz zu einer guten Karriere. Arbeitgeber, die Sicherheit vermitteln, haben aktuell einen klaren Vorteil – doch das bedeutet im Umkehrschluss auch, dass wechselwillige IT-Fachkräfte noch schwerer zu finden sind.
Der Fachkräftemangel verschärft sich weiter
Gerade in der IT ist der Fachkräftemangel seit Jahren Realität. Softwareentwickler, Cloud-Architekten, IT-Security-Spezialisten oder Data Engineers sind stark gefragt – und gleichzeitig rar. Wenn nun zusätzlich die Wechselbereitschaft sinkt, entsteht ein doppelter Engpass:
- Weniger Kandidaten sind aktiv auf Jobsuche
- Noch weniger sind offen für unverbindliche Gespräche
- Recruiting-Prozesse werden länger und komplexer
- Offene Positionen bleiben länger unbesetzt
Für Unternehmen bedeutet das nicht nur Produktivitätsverluste, sondern auch Innovationsstau. Projekte verzögern sich, Teams arbeiten am Limit, und bestehende Mitarbeitende werden zusätzlich belastet – ein Teufelskreis, der wiederum die Zufriedenheit senkt.
Klassisches Recruiting stößt an Grenzen
Viele Unternehmen reagieren auf den Fachkräftemangel nach wie vor mit klassischen Maßnahmen: mehr Stellenanzeigen, höhere Budgets, zusätzliche Benefits. Doch in einem Markt, in dem Kandidaten nicht aktiv suchen, greifen diese Instrumente oft zu kurz.
Passive Kandidaten, also Fachkräfte, die grundsätzlich offen wären, aber nicht aktiv suchen, lassen sich kaum über Jobbörsen erreichen. Sie erwarten eine diskrete, vertrauensvolle und professionelle Ansprache, die ihre Sicherheitsbedürfnisse ernst nimmt und realistische Perspektiven aufzeigt.
Gerade hier zeigt sich, dass Recruiting heute weniger Verkauf und mehr Beratung ist.
Sicherheit neu denken: Perspektiven statt Versprechen
Ein erfolgreicher Jobwechsel wird aktuell nicht mehr über schnelle Vorteile entschieden, sondern über langfristige Perspektiven. IT-Fachkräfte stellen Fragen wie:
- Ist das Unternehmen wirtschaftlich stabil?
- Wie zukunftssicher ist das Geschäftsmodell?
- Wie transparent sind Führung und Kommunikation?
- Welche Rolle spiele ich in drei oder fünf Jahren?
Unternehmen, die diese Fragen nicht glaubwürdig beantworten können, verlieren potenzielle Kandidaten – selbst dann, wenn Gehalt und Technologie attraktiv sind.
Die Rolle der IT-Personalberatung im Fachkräftemangel
In genau diesem Spannungsfeld gewinnt die Zusammenarbeit mit einer spezialisierten IT-Personalberatung massiv an Bedeutung. Denn professionelle Personalberater agieren nicht nur als Vermittler, sondern als Brückenbauer zwischen Sicherheitsbedürfnis und Karrierechance.
Eine erfahrene IT-Personalberatung kann:
- den Markt realistisch einschätzen und einordnen
- Kandidaten individuell und diskret ansprechen
- Wechselängste ernst nehmen und transparent begleiten
- Chancen und Risiken ehrlich kommunizieren
- Unternehmen bei der Positionierung als sicherer Arbeitgeber unterstützen
Gerade in Zeiten geringer Wechselbereitschaft ist Vertrauen der entscheidende Faktor. Kandidaten öffnen sich eher einem neutralen, fachkundigen Ansprechpartner als einer anonymen Stellenanzeige.
Mehr als Besetzung: Strategischer Mehrwert
Für Unternehmen bedeutet die Zusammenarbeit mit einer IT-Personalberatung weit mehr als das reine Besetzen offener Stellen. Sie erhalten:
- Zugang zu verdeckten Kandidatenmärkten
- Markt- und Gehaltsbenchmarks
- Beratung zur Ansprache sicherheitsorientierter Fachkräfte
- Unterstützung bei langfristiger Personalstrategie
Insbesondere im Fachkräftemangel entscheidet nicht Geschwindigkeit allein, sondern Qualität und Passgenauigkeit. Fehlbesetzungen sind teuer – fachlich wie kulturell. Eine professionelle Beratung reduziert dieses Risiko erheblich.
Fazit: Sicherheit ist kein Hindernis – sondern ein Schlüssel
Die wachsende Sehnsucht nach Sicherheit verändert den deutschen Arbeitsmarkt nachhaltig. Für den IT-Sektor bedeutet das: Der Fachkräftemangel wird nicht verschwinden, sondern sich strukturell verfestigen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Recruiting, Kommunikation und Arbeitgeberpositionierung.
Unternehmen, die diese Entwicklung verstehen und aktiv gestalten, verschaffen sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Die Zusammenarbeit mit einer spezialisierten IT-Personalberatung kann dabei ein zentraler Erfolgsfaktor sein – gerade dann, wenn Fachkräfte rar sind und Wechsel gut begründet, transparent und vertrauensvoll begleitet werden müssen.
Denn auch in Zeiten großer Unsicherheit gilt: Die richtigen Talente gibt es. Man muss nur wissen, wie man sie erreicht – und wie man ihnen Sicherheit bietet.