Weltfrauentag 2026: „Give to Gain“ – Warum Gleichstellung zur gesellschaftlichen Zukunftsfrage wird

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Am 8. März begeht die Welt erneut den Internationalen Frauentag – einen Tag, der ...

Am 8. März begeht die Welt erneut den Internationalen Frauentag – einen Tag, der längst mehr ist als eine symbolische Geste. In diesem Jahr steht er unter dem globalen Motto „Give to Gain“, das dazu aufruft, Gleichstellung als kollektive Investition zu betrachten: Was wir in die Förderung von Frauen geben, kommt der Gesellschaft vielfach zugute zurück. Gleichzeitig betont das offizielle UN‑Leitmotiv „Rights. Justice. Action. For ALL Women and Girls“ die Notwendigkeit, rechtliche Schutzmechanismen zu stärken und strukturelle Ungleichheiten aktiv abzubauen. 

Doch wie weit ist Deutschland 2026 wirklich, wenn es um Gleichstellung geht? Ein Blick auf aktuelle Zahlen zeigt: Trotz einiger Fortschritte besteht erheblicher Handlungsbedarf.

 

Lohnungleichheit: Die hartnäckigste Baustelle

Nach wie vor verdienen Frauen in Deutschland deutlich weniger als Männer. Der unbereinigte Gender Pay Gap beträgt 2025/2026 weiterhin 16%, während der bereinigte, Gender Pay Gap bei 6% liegt. 

Besonders gravierend ist der Unterschied in der Informations- und Kommunikationsbranche, in der Frauen 19 Prozent weniger verdienen als Männer – trotz vergleichbarer Tätigkeiten. Auch im europäischen Vergleich hinkt Deutschland hinterher: 2023 lag der Gender Pay Gap bei 18 Prozent, womit Deutschland eines der Schlusslichter der EU bildet. 

Diese Zahlen zeigen klar: Berufswahl, Aufstiegschancen und Teilzeitquoten wirken weiterhin als strukturelle Bremsklötze für Frauen.

 

Sorgearbeit: Die stille Zusatzschicht der Frauen

Frauen übernehmen in Deutschland 43,8 Prozent mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer – das entspricht täglich 77 zusätzlichen Minuten. 

Die Folgen sind weitreichend: geringere Erwerbsbiografien, weniger Karrierechancen und langfristig niedrigere Renten. Wer von Gleichstellung spricht, muss daher auch über faire Verteilung von unbezahlter Arbeit sprechen.

 

Frauen in Führungspositionen: Vertretung bleibt lückenhaft

Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen: In Führungspositionen in Politik, Wirtschaft und Verwaltung bleiben Frauen weiterhin klar unterrepräsentiert. 

Auch im Deutschen Bundestag zeigt sich das Ungleichgewicht deutlich: Nur rund ein Drittel der Abgeordneten ist weiblich. 

 

Bildung & Karriere: Fortschritt mit Hindernissen

Frauen erzielen in Deutschland häufig höhere Bildungsabschlüsse, orientieren sich aber noch immer öfter an schlechter bezahlten Berufen und sind in MINT-Fächern deutlich seltener vertreten. Diese Muster prägen Erwerbschancen langfristig und verstärken strukturelle Lücken. 

 

Mehr Gleichberechtigung im Technologiebereich: Was jetzt nötig ist

Gerade der Technologiesektor wächst dynamisch – und prägt die Zukunft. Doch Frauen bleiben deutlich unterrepräsentiert: im Studium, in technischen Berufen, in Gründerteams und in Führungsrollen. Was kann konkret getan werden, um hier echte Fortschritte zu erzielen?

1. Früh ansetzen: Mädchen für Technik begeistern

Studienwahl und Berufsorientierung entstehen früh. Programme, die Mädchen für Informatik, Robotik oder ingenieurwissenschaftliche Themen gewinnen, können die Weichen neu stellen.

Wirksam sind unter anderem:

  • Schulprogramme und AGs für Coding, KI und Robotik
  • Kooperationen zwischen Tech-Unternehmen und Schulen
  • Sichtbare weibliche Rollenvorbilder (Mentorinnen, Speakerinnen)

2. Strukturen in Unternehmen verändern

Viele Frauen verlassen technische Berufe, weil Arbeitsbedingungen wenig familienfreundlich sind oder Karrierewege unklar bleiben.

Unternehmen können gegensteuern durch:

  • flexible Arbeitsmodelle
  • transparente Aufstiegspfade
  • Förderprogramme für Frauen in technischen Führungspositionen
  • interne Netzwerke und Mentoring-Programme

3. Studiengänge und Ausbildungswege diverser gestalten

Frauen sind in technischen Studiengängen weiterhin unterrepräsentiert. Laut Gleichstellungsindikatoren besteht hier erheblicher Nachholbedarf in wissenschaftlicher Qualifizierung und Berufswahl. [msn.com]

Hochschulen können Hürden abbauen durch:

  • geschlechtergerechte Lehrmaterialien
  • mehr Professorinnen in MINT-Fächern
  • niedrigschwellige Einstiegsangebote (Brückenkurse, Orientierungssemester)

4. Gründungen fördern: Mehr weibliche Tech‑Start-ups

Frauen gründen seltener – besonders im technologischen Bereich. Förderprogramme, Finanzierungsangebote und weibliche Business‑Angel‑Netzwerke können helfen, die Strukturen aufzubrechen.

5. Bias abbauen: Von Algorithmen bis Arbeitsplatzkultur

Technologie ist nie neutral. Verzerrte Daten und männlich dominierte Teams reproduzieren Diskriminierung.

Ein Wandel gelingt durch:

  • divers zusammengesetzte Entwicklerteams
  • verpflichtende Bias-Checks in KI‑Systemen
  • inklusive Produktgestaltung

 

Ein Tag der Verantwortung – und des Ausblicks

Der Weltfrauentag 2026 zeigt eindrucksvoll: Gleichstellung ist kein Nebenprojekt, sondern Voraussetzung für wirtschaftliche Stärke, sozialen Zusammenhalt und demokratische Stabilität.

„Give to Gain“ erinnert uns daran, dass Gleichberechtigung ein Gewinn für alle ist – wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich. Die Daten zeigen jedoch, dass dieser Gewinn nur dann Realität wird, wenn Entscheidungen mutig getroffen und Strukturen aktiv verändert werden.

Ob in der Politik, der Wirtschaft oder im Technologie­bereich: Wer in die Förderung von Frauen investiert, investiert in die Zukunft.

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